Filmklassiker im ältesten Kino Süddeutschlands
Liebe Klassiker-Fans,
Es gibt Filme, die man gesehen hat, und Filme, die man erlebt hat. Rob Reiners „Stand by Me" (1986) gehört zur zweiten, selteneren Kategorie — jenen Werken, die sich ins Gedächtnis einschreiben wie eine Narbe aus Kindertagen: unauslöschlich, ein bisschen schmerzhaft, und irgendwie kostbar. Am 21. Juni zeigen wir Euch diesen bleibenden amerikanischen Klassiker aus den 80er Jahren auf der großen Leinwand im alten Central Theater.
Im Mittelpunkt des Filmes stehen vier Jugendliche, die sich auf den Weg machen, um die Leiche eines vermissten Jungen zu finden, der irgendwo in den Wäldern am Rande eines Bahngleises liegen soll. Doch je weiter ihre Reise sie führt, desto deutlicher wird, dass es um etwas anderes geht. Rob Reiner schuf eine Meditation über das Leben und die Vergänglichkeit – eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über Erinnerung, Freundschaft, Herkunft, Mut und jenen kurzen Moment, in dem noch alles offen scheint ...
Die Besetzung: Vier Jungs, die Geschichte schrieben
Die Besetzung liest sich heute wie ein Kapitel Filmgeschichte: River Phoenix als der stille, tragische Chris Chambers — eine Leistung von einer Reife und emotionalen Tiefe, die einen schwindelig macht, wenn man bedenkt, dass Phoenix damals sechzehn Jahre alt war. Wil Wheaton als der erzählende Gordie, Corey Feldman als der schräge, unfassbar komische Teddy, und Jerry O'Connell als der herzensgute Vern. Kein Ensemble des Jahrzehnts hat die Chemie zwischen Gleichaltrigen authentischer eingefangen.
 Richard Dreyfuss spielt als Erzähler den erwachsenen Gordie
Die Vorlage von Stephen King: Ein König, der auch leise Töne kennt
Stephen King gilt als Meister des Horrors, als Beschwörer von Dämonen, Clowns und kosmischen Schrecken. Doch wer nur diese Seite kennt, kennt King nur halb. „The Body", jene Novelle aus dem Sammelband Different Seasons (1982), auf der der Film basiert, ist mit vielen biografischen Bezügen vielleicht das Persönlichste, was King je geschrieben hat. In einem Gastbeitrag für die New York Times schrieb er im Dezember 2025: „ ... Doch all das verblasst im Vergleich zu Chris Chambers, der im Film zu dem weinenden Gordie Lachance sagt: ‚Du wirst einmal ein großartiger Schriftsteller sein.‘ Dieser weinende Junge war ich. Rob Reiner war es, der es auf die Leinwand brachte."
Rob Reiner, der mit diesem Film nach This Is Spinal Tap und vor When Harry Met Sally einen Höhepunkt seines Schaffens erreichte, hat Kings melancholisches Herzstück mit einer Fingerfertigkeit adaptiert, die bis heute verblüfft. Kein sentimentaler Kitsch, keine falsche Nostalgie — stattdessen eine ehrliche, manchmal brutale Zärtlichkeit gegenüber dem, was wir einmal waren.
Auch der junge John Cusack spielt eine kleine Rolle als großer Bruder von Gordie
Ein Film über das Menschsein ...
Man täte „Stand by Me" unrecht, ihn als Jugendfilm abzuheften. Gewiss, er spielt in einer Kindheit — aber er spricht über das, was aus dieser Kindheit wird. Er handelt von der Erkenntnis, dass das Leben kein Versprechen einlöst, von Klassenunterschieden, die Freundschaften vergiften, von den kleinen Feigheiten, für die man sich jahrzehntelang schämt.
In dieser Hinsicht spielt Film in einer Liga mit François Truffauts Sie küssten und sie schlugen ihn: Was Truffauts Klassiker für die französische Nouvelle Vague bedeutete — ein radikaler, liebevoller Blick auf die Welt des Kindes, der zugleich ein Erwachsenenfilm im besten Sinne ist —, das leistet Reiners Werk für das amerikanische Coming-of-Age-Kino. Beide Filme glauben ihren Figuren. Beide nehmen das Aufwachsen ernst. Und beide treffen Erwachsene oft härter als alle, die noch jung sind.

Stand by Me hat in den vergangenen 40 Jahren nichts von seiner Wirkung verloren.
Die Geschichte spielt in den fünfziger Jahren, entstand in den achtziger Jahren und spricht doch bis heute unmittelbar zu ihrem Publikum. Denn sie erzählt von einer Erfahrung, die jeder kennt: von jenem Sommer, jener Freundschaft oder jenem Augenblick, der vergeht – und dennoch ein Leben lang bleibt.… Stand by Me … unser großer Sommerklassiker im Cinema Central.
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Wir freuen uns sehr auf Euch und großes Klassiker-Sommerkino.
Eurer Cinema Central Team
PS. Einlass 17.30 / Wie immer freie Platzwahl / Um 18 Uhr hält Filmjournalist Thomas Klingenmaier eine Einführung.
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Filmdaten auf einen Blick
Originaltitel / Stand By Me / 1986 / Regie Rob Reiner / Darsteller Wil Wheaton (Gordie Lachance) · River Phoenix (Chris Chambers) · Corey Feldman (Teddy Dechamp) · Jerry O‘connell (Vern Tessio) · Richard Dreyfuss (Der Schriftsteller) / 87 Minuten / Deutsche Synchronfassung
FSK: Aufgrund der ernsten Thematik rund um den Tod wird der Film von vielen Pädagogen und Experten eher ab 12 Jahren empfohlen. Offiziell ist er ab 6 Jahren freigegeben. Bildnachweis: © Images courtesy of Park Circus/Sony Pictures
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